Startseite - Aktuell - National -> Verfolgt, verehrt, geliebt, unvergesslich!

Musik

Allgemeines

Musik - National

Artikel vom 2006-04-13

Verfolgt, verehrt, geliebt, unvergesslich!

Hermann Leopoldi



Verfolgt, verehrt, geliebt, unvergesslich!

In Erinnerung an einen begnadeten Stern am Künstlerhimmel "Hermann Leopoldi"

Der Komponist, Klavierhumorist und Schauspieler Hermann Leopoldi [eig. Hermann Kohn] erblickte am 15.August 1888 in Wien Meidling das Licht der Welt. Sein Vater Leopold Kohn war Musiker und förderte schon in frühester Kindheit das musische Talent seines Sohnes.

Im zarten Alter von 16 Jahren bekam der junge Mann bereits Aufträge als Klavierbegleiter.
1916 ergaben sich die ersten großen Auftritte für den Kabarettisten Hermann Leopoldi im Wiener Etablissement "Ronacher".
Nach dem ersten Weltkrieg startete seine Karriere in Nachtlokalen und Bars.

In den Jahren 1922-1925 führte er zusammen mit Fritz Wiesenthal das Kabarett "L.W". Zum großen Bedauern blieb trotz hervorragender Kritiken und regem Publikumsandrang der finanzielle Erfolg aus; Leopoldi zeigte eine Vorliebe für Wetten und mitunter zerfloss das Geld wahrlich in seinen Händen.

Am 1.Oktober 1924 starteten tägliche Radiosendungen. Das Ereignis fand im obersten Stockwerk des langgestreckten Gebäudes des Bundesministeriums für Heereswesen (jetzt Regierungsgebäude, Wien 1010,Stubenring 1) statt.
Dem großen Anlass entsprechend versammelten sich hier bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
Bundeskanzler Prälat Dr. Ignaz Seipel, der Wiener Bürgermeister Karl Seitz, die zuständigen Minister Schürff und Grünberger, Generalpostdirektor Hoheisel und der steirische Landeshauptmann Univ. Prof. Dr.Anton Rintelen.

"RAVAG" war die Kurzform für das am Vortag im Festsaal des Heeresministeriums konstituierte Unternehmen mit dem offiziellen Namen "Österreichische Radio-Verkehrs AG". Die Künstler des Eröffnungskonzertes wie Alfred Blumen, Rosette Anday traten jedoch nicht wie gewohnt vor das Publikum. Sie wurden der Reihe nach in einem geheimnisvollen, mit dunklen Tüchern, Plüsch, Decken und Teppichen ausgestatten 6 x 6 m großen Raum mit der Aufschrift "Studio" geführt. Zusammen mit dem 350 Watt Sender und der einsam glimmenden Senderöhre bildete dieses Studio die Herzkammer des neuen Weltwunders.

Hermann Leopoldi zählte in der Gründerzeit des Radios zur Parade der Unterhaltungsstars - zu den Glanzlichtern. Den Pionieren der ersten Jahre widmete er ein eigenes Lied - "RAVAGIANER". Ebenfalls ein Lied aus dieser Zeit: "Die schöne Adrienne hat eine Hochantenne". Er war von Anfang an fast täglich auf Welle 530 in irgendeiner Sendung zu hören.

Im Apollo-Theater und Bürger-Theater sorgte Leopoldi durch seine wachsende Popularität für volle Häuser. In Wien engagierte ihn die Femina -Bühne. Er ging nach Berlin wo er gemeinsam mit der Russin Betja Milskaja auftrat; zahlreiche Gastspiele führten sie durch ganz Europa.

1937 erhielt er das Silberne Verdienstzeichen der Republik Österreich, am 26.4.1938 wurde Leopoldi ins KZ- Dachau, später ins KZ-Buchenwald deportiert.
"Im KZ wurden sogenannte aufmüpfige Kabarettisten zur Bescheidenheit erzogen - von unbescheidenen Herrenmenschen!" (Zitat: Ulrich Liebe)

Das "Dritte Reich" rechnete gnadenlos mit Andersdenkenden ab. Hermann Leopoldi und seine Kollegen Fritz Grünbaum, Paul Morgan waren der Willkür der Bewacher ausgeliefert; stundenlanges Stehen beim Zählappell bei jedem Wind und Wetter wollte manchmal kein Ende nehmen. Trotz Schikanen und harter Arbeit unterhielten die drei Freunde in der knappen Freizeit die Leidgenossen mit Kostproben ihrer Kunst. Im KZ-Buchenwald herrschten katastrophale Zustände. Viele Häftlinge verrichteten nahezu unmenschliche Arbeiten im nahegelegenen Steinbruch. An diesem Ort des Grauens entstand in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Librettisten Fritz Beda-Löhner der "Buchenwald-Marsch". In der Nacht zum 11.12.1938 verstirbt der Weggefährte Paul Morgan. Hermann Leopoldi und Fritz Grünbaum begleiteten gemeinsam den Leichnam zum Lagertor, von wo aus er nach Weimar zur Einäscherung kam.

Anfang 1939 gelingt es Hermann Leopoldi dem Lager zu entkommen, seine Frau (ehem. Kraus) hat ein Visum für die USA erwirkt. Er wird in Amerika freudig aufgenommen.
Fritz Grünbaum wartet jedoch vergeblich auf eine Ausreisemöglichkeit. Im Winter 1941 im KZ- Dachau vor den Toren Münchens stirbt der körperlich geplagte, völlig Entkräftete. Seinen Geist aber konnte man nicht zerstören.

Hermann Leopoldi feierte durch die Anerkennung in Amerika mit seinen Wienerliedern große Erfolge. Dort lernte er auch die Wienerin Helly Möslein, die in den Staaten lebte, kennen. Gemeinsam kehrten sie 1948 in die Heimat zurück und blieben beruflich und privat zusammen.

"In einem kleinen Café in Hernals" war der größte Hit des Mannes am Piano.

Seine Lieder flossen ihm nur so aus der Feder: "Tausend Worte Bildung", "I bin a stiller Zecher", "Schön is so ein Ringelspiel", "Schinkenfleckerl", "Powidltatschkerln", "Langenlois", "Karlsbader Sprudelfox", "Schnucki, ach Schnucki", "Die Nowak's aus Prag"...

Im Jahre 1958 erhielt Hermann Leopoldi das Goldene Verdienstzeichen der österreichischen Republik.

Wie schön, dass seine Musik ewig in uns lebt.

Text: Tatjana Aton

Dieser Artikel wurde 1486 x aufgerufen

Leben, Liebe, Lust

Leben, Liebe, Lust

Tatjana Aton / Arthur Fandl

RST 91720

  erhältlich im Shop

Hörprobe
5 - Schnucki, ach Schnucki

DruckenZurück

© RST-Entertainment 2004/2010
last update 06.07.2010 13:42:43
by sg2web

Newsletter

Email

SHOP

1950

FLETCHER HENDERSON SEXTET
zur CD

A Rainbow 'Round Your Soul

ELLY WRIGHT
zur CD

A Tribute to Frank Sinatra "the living voice" Christoph Hornstein

Live aus der Bühne Purkersdorf - 19.10.2007
zur CD

LIVE-GUIDE

Email:

Passwort:

Passwort vergessen?